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Im Mai 2006 erreichte den Deutschen Hapkido Bund eine Einladung des
Großmeisters Dojunim Kim Jung Sang aus Geumsang / Kora. Dojunim Kim ist
der direkte Nachfolger von Dojunim Choi Yong Sul und betreibt genau dessen
Stil. Eingeladen waren Mitglieder des Deutschen Hapkido Bundes, um den
Gründer des Hapkidos zu dessen 20. Todestag zu ehren und an der letzten
Ruhestätte des Großmeisters diesem Respekt zu zollen. So beschloß der
Vorsitzende des Deutschen Hapkidobundes, gleichzeitig Vorsitzender des
Sachsen-Anhaltinischen Hapkido Bundes, Volker Gößling, und der
stellvertretende Vorsitzende des DHB Daniel Niehues sowie der
Bundestrainer Leonid Rivilis der Einladung Folge zu leisten.
Am Flughafen Seoul - Inchion wurde die Delegation von Jarrod Taylor, der
rechten Hand des Dojunim, in Empfang genommen. Jarrod, ein Australier, der
seit vielen Jahren in Korea lebt, sammelte darüber hinaus die ebenfalls
ankommenden Teilnehmer aus Australien, USA, Kanada sowie Niederlande,
Italien und Frankreich ein und fuhr mit diesen zum Soe Dae Mountain Resort
in Zentral-Südkorea, wo der Hapkidolehrgang stattfinden sollte.

Dojunim Choi Yong Sul
Was dort auf uns wartete, hatten wir so nicht
erwartet. Der Ort war wunderschön in den Bergen gelegen und war eine
Mischung aus Ferien- und Freizeitpark. Untergebracht waren wir in
jurtenähnlichen runden Holzhäusern, die mit Fußbodenheizung versehen
waren und keine Betten enthielten. Geschlafen wurde - entsprechend
koreanischer Sitte - auf Matratzen auf dem Boden.
Die Aufnahme der
auswärtigen Gäste hätte kaum höflicher und freundlicher sein können.
Dojunim Kim Jung Sang persönlich begrüßte sämtliche Anwesenden. Aber
nicht nur dieser war von ausgesuchter Höflichkeit, sondern auch seine
hochrangigen Meister und Meisterschüler begrüßten uns wie alte
Freunde, wobei einige von uns diesen Status in der Tat schon hatten,
da diese mehrere Lehrgänge beim Großmeister in Australien bereits
absolviert hatten.

Soe Dae Mountain Resort in Zentral-Südkorea
Bei den ersten Trainingseinheiten, die vollständig frei gestaltet waren,
konnten sich die Teilnehmer untereinander schon recht gut kennen lernen
und so stellte sich schnell heraus, daß die anwesenden Hapkidomeister aus
aller Herren Länder sehr gut miteinander auskamen und zwischen einigen
sehr schnell klar war, daß die gegenseitige Chemie hervorragend stimmte.Bereits auf der dreistündigen Busfahrt von Seoul nach Geumsang / Soe Dae
Mountain Resort bin ich näher ins Gespräch mit Barry Restell einem
67-jährigen Australier gekommen, der bereits längere Erfahrung mit
dem Großmeister Kim hatte und mir vorab bereits wertvolle
Informationen geben konnte.

Sehr interessant war auch das Zusammentreffen mit
Matt Geister, der seit seinem vierten Lebensjahr in Australien lebt.
Wie es der Zufall so will, stammen er und ich aus der gleichen Gegend
in Deutschland; wir beide sind in Ostwestfalen geboren.
Wie bereits dargestellt, gab es viele Gelegenheiten noch Hapkidokollegen
aus aller Herren Länder näher kennen zu lernen. Die gemeinsamen
Aktivitäten umfaßten halt nicht nur das Training, sondern auch gemeinsame
Bergwanderungen und den Besuch von Tempelanlagen und anderen
Sehenswürdigkeiten in Korea. Aber auch der gegenseitige Austausch von
Techniken wurde innigst gepflegt.

Abends gab es dann regelmäßig ein Treffen, entweder aber
Lagerfeuer oder einfach nur so in einer lockeren Runde, wobei
regelmäßig Phil Eizenberg aus Australien sowie Tupuna Moena mit
deren Gitarren hervorragendes leisteten.

Der Tag des Abfahrens jedenfalls war für alle Beteiligten ein sehr
trauriger und wurde allerdings dadurch versüßt, daß ich das Vergnügen
hatte, mit Tup, Matt, Phil, Haemisch, Jae-Bum-Lee und anderen Koreas
Hauptstadt unsicher machen zu können. In Seoul haben wir dann unsere
amerikanischen Freunde noch einmal getroffen, nämlich Pam, Dina, Jim und
seine Gattin Angie. Begleitet wurden wir auch von unserem Freund Shin Hoon
der Hapkido Hapkiyusul in Seoul betreibt. Dieser Ort war dann auch ein
wahrlich großartiges Erlebnis. Die Stadt pulsiert und lebt. Dies ist aber
auch kein Wunder, dort ca. 12 Millionen Menschen leben. Neben
Restaurantbesuchen und ausgiebigem Shoppen war im übrigen ein Besuch in
der Martial-Art-Manufaktur Moosoolsa in welcher für nahezu jeden etwas zu
finden war, angesagt.
Kulinarisches
oder was essen Koreaner?

Leider hieß es dann für mich am 23.10.2006 von Korea Abschied zu nehmen.
Ich mußte dann via Paris den Heimweg nach Berlin und dann nach Wittenberg
antreten. Letztendlich dürfte klar sein, daß dieser Koreaaufenthalt
unvergesslich ist.
Ehrung am Grab von Dojunim Choi Yong Sul zu dessen 20.Todestag
Ein besonders bewegendes Erlebnis war der Besuch des Grabes von Dojunim
CHOI YONG SUL. An der Erinnerungszeremonie nahmen nicht nur sämtliche
Töchter des verstorbenen Großmeisters teil, sondern auch die gesamten "Hapkiyusul-Gemeinde"
bei denen wir zu Gast waren. Abgehalten wurde die Zeremonie nach
traditionellem koreanischen Ritus; an der Grabstelle wurden Nahrungsmittel
und Getränke abgestellt und jeder Teilnehmer bekundete durch Verneigung
seinen Respekt vor dem Hapkidobegründer. Wie sich alle, die Hapkido
betreiben, vorstellen können, war diese Zeremonie ein bewegendes Ereignis,
das alle Teilnehmer zutiefst beeindruckte.

Zum Trainingsablauf selber:
Morgens um fünf Uhr sind wir alle aufgestanden und haben uns von 05:30 Uhr
bis 05:45 Uhr zum Trainingsort, dem Dojang, welcher sich auf dem Gelände
des Mountain Resorts befand, begeben. Von 05:45 Uhr bis ca. 06:00 Uhr
haben sich die einzelnen Mitglieder der Gruppe körperlich und mental
auf das kommende Training vorbereitet. Nach einer ausgiebigen
Meditation und dem obligatorischen Angrüßen wurde in immer gleicher
Art und Weise das Training durchgeführt. Angefangen haben wir mit
Gymnastik, welche den gesamten Körper fit für die kommenden Aufgaben
machte.

Fortgeführt wurde
das Training mit sechzehn Grundschlägen, welche drei Mal rechts und drei
Mal links ausgeführt worden. Das Gleiche haben wir dann mit den Hapkiyusul-grundtritten gemacht, um danach direkt mit den Handtechniken
fortzufahren. Wir konnten uns vertraut machen, mit den Hapkiyusul
Basis-Hoshinsul-Techniken. Die jeweils gegenüberstehenden Partner haben
dauerhaft und ständig rechts und links Techniken in vorgegebener
Reihenfolge ausgeführt. Gelernt haben wir an Hapkiyusultechniken zunächst
Techniken gegen einseitiges Fassen - bei uns als Son Mok Sul bekannt.
Gegen Ende der Übungseinheit wurden dann Fausttechnikkombinationen in
schneller Abfolge geübt, um dann mit Abhärtungsübungen für die Unterarme
zu enden. Das Training, welches einen ausgesprochen strikten Ablauf hatte,
endete grundsätzlich - wie in allen Hapkidostilen - mit dem
Abgrußzeremoniell. Um 08:00 Uhr gab es dann ein traditionell koreanisches
Frühstück. Danach standen Vormittags- und Nachmittagsübungen zur freien
Verfügung. Wie bereits ausgeführt, hatten wir alle diese Einheiten
genutzt, um Technikaustausch zu betreiben oder die morgens gelernten
Techniken zu vertiefen.
Das Abendtraining fand von 18.00-20.00Uhr statt und wurde in gleicher Art
und Weise durchgeführt, wie das Morgentraining. Der Dojunim und seine
Meisterschüler haben dabei die auswärtigen Gäste nach bestem Wissen und
Gewissen angeleitet und unterstützt sowie insbesondere immer wieder darauf
hingewiesen, daß die Techniken grundsätzlich gegen den Widerstand des
Angreifers durchzuführen sind.

Zum Hintergrund des Hapkiyusul noch einige Informationen:
Hapkiyusul ist das, was Dojunim CHOI YONG SOL seinerzeit 30 Jahre lang in
Japan trainiert hatte. Grundlagen für diesen Hapkido-Stil sind das Daito
Ryu Aiki Jujitsu. Dojunim Choi hatte dieses System 30 Jahre lang bei
Sensei Takeda Sogau gelernt. Dieses System unterscheidet sich von dem
Hapkido, so wie wir es kennen, darin, daß eine kleinere Bandbreite an
Techniken gelehrt wird. So wird - zumindest bis zu den unteren Dan-Graden-
auf eine Ausbildung in Waffentechniken weniger Wert gelegt. Auch ist die
Varianz der Tritttechniken etwas geringer; so sind gesprungene Techniken
selten.
www.hapkiyusul.com
Volker Gößling
Korea das Heimatland des Hapkido
ein paar interessante Links
http://de.wikipedia.org/wiki/Korea
http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_Koreas
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