Korea   
13.10.2006 bis 23.10.2006   

     

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Im Mai 2006 erreichte den Deutschen Hapkido Bund eine Einladung des Großmeisters Dojunim Kim Jung Sang aus Geumsang / Kora. Dojunim Kim ist der direkte Nachfolger von Dojunim Choi Yong Sul und betreibt genau dessen Stil. Eingeladen waren Mitglieder des Deutschen Hapkido Bundes, um den Gründer des Hapkidos zu dessen 20. Todestag zu ehren und an der letzten Ruhestätte des Großmeisters diesem Respekt zu zollen. So beschloß der Vorsitzende des Deutschen Hapkidobundes, gleichzeitig Vorsitzender des Sachsen-Anhaltinischen Hapkido Bundes, Volker Gößling, und der stellvertretende Vorsitzende des DHB Daniel Niehues sowie der Bundestrainer Leonid Rivilis der Einladung Folge zu leisten. Am Flughafen Seoul - Inchion wurde die Delegation von Jarrod Taylor, der rechten Hand des Dojunim, in Empfang genommen. Jarrod, ein Australier, der seit vielen Jahren in Korea lebt, sammelte darüber hinaus die ebenfalls ankommenden Teilnehmer aus Australien, USA, Kanada sowie Niederlande, Italien und Frankreich ein und fuhr mit diesen zum Soe Dae Mountain Resort in Zentral-Südkorea, wo der Hapkidolehrgang stattfinden sollte.


Dojunim Choi Yong Sul 

Was dort auf uns wartete, hatten wir so nicht erwartet. Der Ort war wunderschön in den Bergen gelegen und war eine Mischung aus Ferien- und Freizeitpark. Untergebracht waren wir in jurtenähnlichen runden Holzhäusern, die mit Fußbodenheizung versehen waren und keine Betten enthielten. Geschlafen wurde - entsprechend koreanischer Sitte - auf Matratzen auf dem Boden. Die Aufnahme der auswärtigen Gäste hätte kaum höflicher und freundlicher sein können. Dojunim Kim Jung Sang persönlich begrüßte sämtliche Anwesenden. Aber nicht nur dieser war von ausgesuchter Höflichkeit, sondern auch seine hochrangigen Meister und Meisterschüler begrüßten uns wie alte Freunde, wobei einige von uns diesen Status in der Tat schon hatten, da diese mehrere Lehrgänge beim Großmeister in Australien bereits absolviert hatten.


Soe Dae Mountain Resort in Zentral-Südkorea

Bei den ersten Trainingseinheiten, die vollständig frei gestaltet waren, konnten sich die Teilnehmer untereinander schon recht gut kennen lernen und so stellte sich schnell heraus, daß die anwesenden Hapkidomeister aus aller Herren Länder sehr gut miteinander auskamen und zwischen einigen sehr schnell klar war, daß die gegenseitige Chemie hervorragend stimmte.Bereits auf der dreistündigen Busfahrt von Seoul nach Geumsang / Soe Dae Mountain Resort bin ich näher ins Gespräch mit Barry Restell einem 67-jährigen Australier gekommen, der bereits längere Erfahrung mit dem Großmeister Kim hatte und mir vorab bereits wertvolle Informationen geben konnte.

Sehr interessant war auch das Zusammentreffen mit Matt Geister, der seit seinem vierten Lebensjahr in Australien lebt. Wie es der Zufall so will, stammen er und ich aus der gleichen Gegend in Deutschland; wir beide sind in Ostwestfalen geboren. Wie bereits dargestellt, gab es viele Gelegenheiten noch Hapkidokollegen aus aller Herren Länder näher kennen zu lernen. Die gemeinsamen Aktivitäten umfaßten halt nicht nur das Training, sondern auch gemeinsame Bergwanderungen und den Besuch von Tempelanlagen und anderen Sehenswürdigkeiten in Korea. Aber auch der gegenseitige Austausch von Techniken wurde innigst gepflegt.

Abends gab es dann regelmäßig ein Treffen, entweder aber Lagerfeuer oder einfach nur so in einer lockeren Runde, wobei regelmäßig Phil Eizenberg aus Australien sowie Tupuna Moena mit deren Gitarren hervorragendes leisteten.

Der Tag des Abfahrens jedenfalls war für alle Beteiligten ein sehr trauriger und wurde allerdings dadurch versüßt, daß ich das Vergnügen hatte, mit Tup, Matt, Phil, Haemisch, Jae-Bum-Lee und anderen Koreas Hauptstadt unsicher machen zu können. In Seoul haben wir dann unsere amerikanischen Freunde noch einmal getroffen, nämlich Pam, Dina, Jim und seine Gattin Angie. Begleitet wurden wir auch von unserem Freund Shin Hoon der Hapkido Hapkiyusul in Seoul betreibt. Dieser Ort war dann auch ein wahrlich großartiges Erlebnis. Die Stadt pulsiert und lebt. Dies ist aber auch kein Wunder, dort ca. 12 Millionen Menschen leben. Neben Restaurantbesuchen und ausgiebigem Shoppen war im übrigen ein Besuch in der Martial-Art-Manufaktur Moosoolsa in welcher für nahezu jeden etwas zu finden war, angesagt.

Kulinarisches oder was essen Koreaner?

Leider hieß es dann für mich am 23.10.2006 von Korea Abschied zu nehmen. Ich mußte dann via Paris den Heimweg nach Berlin und dann nach Wittenberg antreten. Letztendlich dürfte klar sein, daß dieser Koreaaufenthalt unvergesslich ist.

Ehrung am Grab von Dojunim Choi Yong Sul zu dessen 20.Todestag

Ein besonders bewegendes Erlebnis war der Besuch des Grabes von Dojunim CHOI YONG SUL. An der Erinnerungszeremonie nahmen nicht nur sämtliche Töchter des verstorbenen Großmeisters teil, sondern auch die gesamten "Hapkiyusul-Gemeinde" bei denen wir zu Gast waren. Abgehalten wurde die Zeremonie nach traditionellem koreanischen Ritus; an der Grabstelle wurden Nahrungsmittel und Getränke abgestellt und jeder Teilnehmer bekundete durch Verneigung seinen Respekt vor dem Hapkidobegründer. Wie sich alle, die Hapkido betreiben, vorstellen können, war diese Zeremonie ein bewegendes Ereignis, das alle Teilnehmer zutiefst beeindruckte.

Zum Trainingsablauf selber:

Morgens um fünf Uhr sind wir alle aufgestanden und haben uns von 05:30 Uhr bis 05:45 Uhr zum Trainingsort, dem Dojang, welcher sich auf dem Gelände des Mountain Resorts befand, begeben. Von 05:45 Uhr bis ca. 06:00 Uhr haben sich die einzelnen Mitglieder der Gruppe körperlich und mental auf das kommende Training vorbereitet. Nach einer ausgiebigen Meditation und dem obligatorischen Angrüßen wurde in immer gleicher Art und Weise das Training durchgeführt. Angefangen haben wir mit Gymnastik, welche den gesamten Körper fit für die kommenden Aufgaben machte.

Fortgeführt wurde das Training mit sechzehn Grundschlägen, welche drei Mal rechts und drei Mal links ausgeführt worden. Das Gleiche haben wir dann mit den Hapkiyusul-grundtritten gemacht, um danach direkt mit den Handtechniken fortzufahren. Wir konnten uns vertraut machen, mit den Hapkiyusul Basis-Hoshinsul-Techniken. Die jeweils gegenüberstehenden Partner haben dauerhaft und ständig rechts und links Techniken in vorgegebener Reihenfolge ausgeführt. Gelernt haben wir an Hapkiyusultechniken zunächst Techniken gegen einseitiges Fassen - bei uns als Son Mok Sul bekannt. Gegen Ende der Übungseinheit wurden dann Fausttechnikkombinationen in schneller Abfolge geübt, um dann mit Abhärtungsübungen für die Unterarme zu enden. Das Training, welches einen ausgesprochen strikten Ablauf hatte, endete grundsätzlich - wie in allen Hapkidostilen - mit dem Abgrußzeremoniell. Um 08:00 Uhr gab es dann ein traditionell koreanisches Frühstück. Danach standen Vormittags- und Nachmittagsübungen zur freien Verfügung. Wie bereits ausgeführt, hatten wir alle diese Einheiten genutzt, um Technikaustausch zu betreiben oder die morgens gelernten Techniken zu vertiefen.

Das Abendtraining fand von 18.00-20.00Uhr statt und wurde in gleicher Art und Weise durchgeführt, wie das Morgentraining. Der Dojunim und seine Meisterschüler haben dabei die auswärtigen Gäste nach bestem Wissen und Gewissen angeleitet und unterstützt sowie insbesondere immer wieder darauf hingewiesen, daß die Techniken grundsätzlich gegen den Widerstand des Angreifers durchzuführen sind.

Zum Hintergrund des Hapkiyusul noch einige Informationen:

Hapkiyusul ist das, was Dojunim CHOI YONG SOL seinerzeit 30 Jahre lang in Japan trainiert hatte. Grundlagen für diesen Hapkido-Stil sind das Daito Ryu Aiki Jujitsu. Dojunim Choi hatte dieses System 30 Jahre lang bei Sensei Takeda Sogau gelernt. Dieses System unterscheidet sich von dem Hapkido, so wie wir es kennen, darin, daß eine kleinere Bandbreite an Techniken gelehrt wird. So wird - zumindest bis zu den unteren Dan-Graden- auf eine Ausbildung in Waffentechniken weniger Wert gelegt. Auch ist die Varianz der Tritttechniken etwas geringer; so sind gesprungene Techniken selten.

www.hapkiyusul.com

Volker Gößling

Korea das Heimatland des Hapkido
ein paar interessante Links

http://de.wikipedia.org/wiki/Korea
http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_Koreas

 

 

 

 

   

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